Ein Stück nach Motiven aus der Lebensgeschichte des legendärsten Wallisers
Autor: Markus Keller
Regie: Reto Lang
mit Thomas Mathys in der Rolle des Farinet
Ein später Abend im Hochsommer 1871. Stille liegt über dem Walliser Weiler Le Fol, bedrohliche Stille, als ein halbes Dutzend bewaffneter Polizisten vor dem Wohnhaus des Gerbers Frachebourg in Stellung gehen. Bevor der Polizeikommandant das Zeichen zum Sturm auf das Haus geben kann, taucht auf der Laube ein Mann auf, ein Gewehr in der Hand. Über die Treppe schleicht er nach unten, überprüft, ob die Luft rein ist, und bewegt sich vorsichtig Richtung Wald. Da erhebt sich der Kommandant und fordert den Flüchtigen auf, stehen zu bleiben. „Farinet, Hände hoch, und bleib, wo du bist! Du hast keine Chance zu entkommen! Du bist umzingelt!“, so tönt es. Der Mann ergibt sich, auf Befehl legt er sein Gewehr auf den Boden und streckt seine Hände in die Höhe. Vorsichtig nähern sich die Polizisten, sie misstrauen dem gesuchten Verbrecher.
Zur selben Zeit schleicht der tatsächlich Gesuchte aus seinem Versteck im Haus und ergreift unbemerkt die Flucht. Wenige Augenblicke später müssen die Ordnungshüter feststellen, dass es sich beim Verhafteten nicht um den seit Wochen gesuchten Falschmünzer Farinet handelt und dass dieser ihnen durch die Lappen gegangen ist. Richter Gross, der persönlich den Einsatz leitet, schwört, dass er eines Tages Farinet kriegen werde – egal, ob tot oder lebendig.
Das spannende, unterhaltsame und dramatische Stück erzählt in fiktiven Szenen, wie es dem, vor allem im Kanton Wallis bekannten Lebenskünstler und Falschmünzer Joseph-Samuel Anton Farinet und seinen Kumpanen ergangen ist. Farinet, geboren 1845 im Aostatal, genoss in der Bevölkerung grossen Rückhalt. Er hatte vorwiegend 20-Rappen-Münzen produziert, eine Stückzahl von nahezu einer Viertelmillion. Seine Prägungen genossen im Unterwallis vor dem Hintergrund einer Fehlspekulation der Kantonalbank rasch mehr Vertrauen als das Papiergeld. Farinet befand sich jahrelang auf der Flucht, zeitweise sogar mit einer verheirateten Frau, die sich seiner Faszination nicht entziehen konnte. Er wurde mehrmals verhaftet, konnte aber immer wieder entkommen. Am 17. April 1880 fand man die Leiche Farinets in der Saillonschlucht. Er hatte sich dort an einem unzugänglichen Ort verschanzt und wurde während vierer Tage von den Uniformierten belagert. Ob Farinet ausrutschte und zu Tode stürzte oder ob er erschossen wurde, ist bis heute nicht geklärt.

